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Ratgeber

Wa-Griff oder Yo-Griff: japanische Messergriffe erklärt

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Wer japanische Messer vergleicht, stößt schnell auf zwei Griffwelten: den traditionellen Wa-Griff aus Holz, oft achteckig, und den westlichen Yo-Griff mit Nieten, wie man ihn von deutschen Messern kennt. Dazu kommen Mischformen und Materialien von Magnolienholz bis Micarta. Diese Seite erklärt die Unterschiede in Bauweise, Gewicht und Balance, zeigt, für wen welche Form passt, und gibt Hinweise zur Pflege.

Der Wa-Griff: traditionell japanisch

Beim Wa-Griff steckt ein schmaler, spitz zulaufender Erl in einem Holzgriff. Der Griff ist oft achteckig, oval oder D-förmig. Am Übergang zur Klinge sitzt häufig eine Zwinge aus Horn, Kunststoff oder Holz. Klassische Hölzer sind Magnolie, Walnuss, Ebenholz oder Rosenholz.

Weil der Griff leicht ist und kaum Metall enthält, liegt der Schwerpunkt weiter vorn in der Klinge. Das Messer fühlt sich leicht und agil an und fällt beim Schneiden mit seinem Eigengewicht durch das Schnittgut. Ein weiterer Vorteil: Ein Wa-Griff lässt sich bei Beschädigung relativ leicht ersetzen.

Achteckig oder D-Form

Der achteckige Griff ist symmetrisch und eignet sich gleichermaßen für Rechts- und Linkshänder, sofern die Klinge beidseitig geschliffen ist. Die Kanten geben Halt und eine klare Orientierung in der Hand.

Der D-förmige Griff hat eine abgeflachte Seite, die in die Handfläche gedrückt wird. Er ist für eine Hand ausgelegt, meist die rechte. Für Linkshänder gibt es eigene Versionen. Mehr dazu im Artikel Japanische Messer für Linkshänder.

Der Yo-Griff: westlich mit Nieten

Beim Yo-Griff läuft der Erl in voller Breite durch den Griff, beidseitig sind Griffschalen aufgenietet. Das ist die Bauweise klassischer deutscher und französischer Messer. Viele japanische Hersteller bieten diese Form an, weil sie westlichen Nutzern vertraut ist.

Der Yo-Griff ist schwerer, der Schwerpunkt liegt näher am Griff. Das Messer wirkt ausgewogener und ruhiger, aber weniger leichtfüßig. Für Menschen, die bisher deutsche Messer benutzt haben, ist der Umstieg damit am einfachsten.

Materialien: Holz, Pakka, Micarta

Naturholz fühlt sich warm an, braucht aber Pflege und reagiert auf Feuchtigkeit. Pakkaholz ist mit Harz getränktes Holzfurnier, das kaum Wasser aufnimmt und sehr pflegeleicht ist. Micarta besteht aus Leinen oder Papier in Kunstharz und ist besonders robust und griffig, auch mit nassen Händen.

Welches Material Sie wählen, hängt von Ihrem Pflegewillen ab. Hinweise zur Pflege von Holzgriffen gibt der Artikel Holzgriff pflegen.

  • Naturholz: warm, schön, braucht gelegentlich Öl
  • Pakkaholz: pflegeleicht, wasserfest
  • Micarta: sehr robust, griffig auch nass
  • Kunststoff: hygienisch, preiswert, weniger edel

Welcher Griff zu Ihrer Technik passt

Wer im Pinch-Griff schneidet, also Daumen und Zeigefinger an der Klinge, spürt die Vorteile des leichten Wa-Griffs am stärksten. Das Messer lässt sich präzise führen und ermüdet weniger. Wer das Messer eher am Griff festhält und viel Kraft einsetzt, fühlt sich mit einem Yo-Griff oft sicherer.

Die Grundlagen der Griffhaltung beschreibt die Anleitung Kochmesser richtig benutzen. Für kleine Hände sind leichte Wa-Griffe und schlanke Pakka-Griffe häufig angenehmer, siehe Kochmesser für kleine Hände.

Beispiele aus der Praxis

Viele Serien, die in Deutschland verbreitet sind, nutzen Mischformen. Kai Shun Classic hat einen kastanienförmigen Pakkagriff mit durchgehendem Erl, Miyabi kombiniert bei mehreren Serien eine D-Form mit Zwinge, Tojiro bietet sowohl Yo-Griffe mit Nieten als auch traditionelle Wa-Griffe an. Yaxell setzt bei einigen Serien auf Micarta.

Eine Auswahl verschiedener Griffformen finden Sie in der Kaufberatung japanische Messer, im Miyabi Vergleich und bei den handgeschmiedeten Messern.

Messer mit verschiedenen Griffen →

Den Griff vor dem Kauf prüfen

Wenn möglich, halten Sie ein Messer vor dem Kauf in der Hand. Achten Sie darauf, ob der Griff lang genug für Ihre Hand ist, ob die Kanten drücken und ob Ihr Zeigefinger am Übergang zur Klinge bequem liegt. Ein Griff, der nach fünf Minuten unangenehm wird, wird es nach einer Stunde Gemüseschneiden umso mehr.

Beim Onlinekauf helfen Angaben zu Gewicht, Grifflänge und Griffumfang. Ein leichtes Messer mit Wa-Griff wiegt oft deutlich weniger als ein vergleichbares mit Yo-Griff.

Häufige Fragen

Ist ein Wa-Griff für Linkshänder geeignet? Ein achteckiger oder ovaler Wa-Griff ja, eine D-Form nur in der Linkshänderversion. Die Klinge muss zudem beidseitig geschliffen sein.

Ist ein Wa-Griff weniger stabil? Für normales Schneiden nein. Er ist nicht für Hebelarbeit oder Knochen gedacht, das gilt aber ohnehin für japanische Klingen.

Kann man einen Wa-Griff tauschen? Ja, das ist meist einfacher als bei einem Yo-Griff. Fachbetriebe und manche Hersteller bieten das an.

Welcher Griff ist hygienischer? Pakkaholz, Micarta und Kunststoff nehmen kaum Wasser auf und sind leicht zu reinigen. Naturholz ist bei guter Pflege ebenfalls unproblematisch.

Was Sie dafür brauchen